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Mitterlehner zum 8. Mai: Aktive Erinnerungskultur leben, richtige Lehren aus der Geschichte ziehen

Rede des Vizekanzlers am Gedenktag zur Befreiung vom Nationalsozialismus und zur Beendigung des Zweiten Weltkriegs in Europa

Mitterlehner bei seiner Rede zum achten Mai
Staatsakt zum Gedenken an die Befreiung vom Nationalsozialismus und an die Beendigung des Zweiten Weltkrieges in Europa
Fotocredit: (c) BKA/Andy Wenzel

„Der achte Mai ist ein Tag der Freude. Man könnte aber auch von einem Tag der Verantwortung sprechen, an dem wir uns alle intensiv mit unserer Vergangenheit und vor allem mit den Lehren für die Zukunft auseinandersetzen sollten.“ Das sagte Vizekanzler Reinhold Mitterlehner am Montag in seiner Rede beim Staatsakt zum Gedenken an die Befreiung vom Nationalsozialismus und an die Beendigung des Zweiten Weltkrieges in Europa.

„Allzu lange haben wir uns Zeit gelassen, mit der uneingeschränkten Anschlussthese und der damit verbundenen Opferrolle, aber auch mit den Heldenmythen der Nachkriegsjahre auszuräumen“, sagte Mitterlehner. „Erst 50 Jahre nach Kriegsende haben wir Zwangsarbeiter entschädigt und Restitution geleistet und festgestellt, dass Österreich ein Land von Opfern und Tätern ist. Dessen ungeachtet tun wir uns 72 Jahre nach Kriegsende immer noch schwer, die richtige Gewichtung zu finden“, so Mitterlehner.

Mitterlehner mahnte eine aktive Erinnerungskultur ein, um die richtigen Lehren aus der Geschichte zu ziehen. „Wir haben mittlerweile weniger Zeitzeugen und nun schon mehrere Generationen, die Vergangenheit nur als Geschichte sehen, die mit ihrem heutigen Leben nichts mehr zu tun hat. Gerade junge Menschen stehen dem Geschehenen oft fassungslos und verstört gegenüber und finden keine Erklärung, noch schlimmer, viele suchen keine mehr“, so Mitterlehner. „Daher haben wir alle die Verantwortung und Verpflichtung, das ‚niemals wieder‘ mit konkreten Handlungen zu unterlegen.“

Hilfreich bei der Aufarbeitung der Gräueltaten der NS-Zeit sei der aktive Umgang mit der Geschichte, im Unterricht, in Diskussionen, in Büchern und Dokumentationen. „Am Berührendsten und emotional Wirksamsten ist wohl die Konfrontation in den Gedenkstätten, wie dem damaligen Konzentrationslager Mauthausen, dessen Befreiung wir gestern gedacht haben“, sagte Mitterlehner. Auch dort war die verblassende Erinnerung, die Verharmlosung, auch die Kompensation mit anderen Gräueltaten in der Geschichte bei vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein Gesprächsthema.

Abschließend nahm Mitterlehner auf das heurige Motto des Befreiungstages Bezug: „Internationalität trennt nicht, sie verbindet. Das ist eine wichtige Lehre, die wir aus den Ereignissen von damals und aus unserer Geschichte mitnehmen können“, so Vizekanzler Mitterlehner. Das politische Konzept dafür sei die Europäische Union. "Vieles in diesem System gehört verbessert, gehört verändert, die Probleme sind andere geworden, Stichwort Flüchtlingskrise oder Klimawandel. Was aber bleibt ist die Erfahrung, dass wir die großen Herausforderungen nur gemeinsam international lösen können", so Mitterlehner.

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Veröffentlicht am: 08.05.2017 12:45