Außenwirtschaft

Aktivitäten des österreichischen Nationalen Kontaktpunktes (NKP)

  • Aktivitäten 2017

Auch im Jahr 2017 plant der österreichische Nationale Kontaktpunkt für die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen (öNKP) diverse Promotionsaktivitäten. Das erste Expertengespräch zur Sorgfaltsprüfung nach den OECD-Leitsätzen fand am 24. April 2017 statt, das zweite Expertengespräch zum Thema Ablauf eines Beschwerdeverfahrens wurde am 30. Mai 2017 abgehalten. Der öNKP möchte auch wieder viele Teilnehmer bei der jährlichen Diskussionsveranstaltung am 2. Oktober 2017 begrüßen und ersucht um Vormerkung des Termines.

Weiters werden Publikationen und Newsletter zu aktuellen Themen erstellt. Auch wird der öNKP Anfang 2018 einer Peer Review seitens der OECD unterzogen. Eine umfassende Vorbereitung auf die bevorstehende Peer Review ist eine der Prioritäten im Arbeitsprogramm des öNKP.

Unternehmensumfrage: Derzeit wird eine Unternehmensumfrage über die OECD-Leitsätze durchgeführt. Nehmen Sie an der Umfrage teil

Expertengespräch: "Dialog mit starker Wirkung: Das Beschwerdeverfahren im Rahmen der OECD-Leitsätze am 30. Mai 2017

$Expertengespräch "Globale Verantwortung managen: Die Empfehlungen der OECD-Leitsätze zur Sorgfaltsprüfung in der Anwendung" am 24. April 2017

  • Aktivitäten 2016

Diskussionsveranstaltung "Reality Check: "40 Jahre OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen" am 24. Oktober 2016

Expert-Talk „Sorgfalt im internationalen Geschäft" am 28. Juni 2016

Expertenlunch „Verantwortung in globalen Supply Chains" am 6. April 2016

  • Aktivitäten 2015

Workshop "Creating Shared Knowledge on Mediation and Crucial Processes for National Contact Points" am 3. und 4. März 2015 

Informationsveranstaltung "Pathway to Mutual Benefits: The OECD Guidelines for Multinationals" am 2. März 2015​

Expertengespräch "Dialog mit starker Wirkung: Das Beschwerdeverfahren im Rahmen der OECD-Leitsätze am 30. Mai 2017

Unter dem Titel „Dialog mit starker Wirkung" beleuchtete der öNKP am 30. Mai 2017 den mit den OECD-Leitsätzen verbundenen Beschwerdemechanismus. Dieser bietet bei behaupteten Verstößen gegen die OECD-Leitsätze gerade in schwierigen Fällen eine wertvolle Alternative zu gerichtlichen Verfahren. Denn in einem Vermittlungsverfahren, so Iris Hammerschmid vom öNKP zur Zielsetzung des Beschwerdemechanismus, geht es nicht um Sanktionen für behauptete Verstöße in der Vergangenheit, sondern um einen offenen und konstruktiven Dialog zwischen den Parteien, um eine Einigung zur besseren Beachtung der OECD-Leitsätze für die Zukunft zu finden.

Alex Kunze vom Nationalen Kontaktpunkt der Schweiz und Senior Berater für Corporate Social Responsibility beim Staatssekretariat für Wirtschaft der Schweiz schilderte im Anschluss anhand von zwei konkreten Beispielen, wie Vermittlungsverfahren in der Praxis ablaufen. Entscheidet der Nationale Kontaktpunkt ein Verfahren einzuleiten, wird vor Beginn eines Verfahrens eine schriftliche Mediationsvereinbarung mit den Parteien getroffen. Diese ist bindend und schafft den Rahmen für eine vertrauliche und offene Diskussion zwischen den Parteien, führte Alex Kunze aus. Bei den Verfahren selbst zeigt sich, dass der Informationsaustausch wesentlich zur Bereitschaft beiträgt, konstruktiv eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten.

Eine der häufigsten Herausforderungen ist die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für den Abschluss eines Verfahrens, so Alex Kunze. Aufgrund der Komplexität und der geografischen Entfernung des Ortes, an dem der behauptete Verstoß stattgefunden hat, kann die vorgesehene Verfahrensdauer von einem Jahr oft nicht eingehalten werden, mit zunehmender Verfahrensdauer steigen jedoch auch die Erwartungshaltungen. Das Vorsehen eines Nachberichts sechs Monate nach Abschluss des Verfahrens, das so genannte Follow-up, das der Nationale Kontaktpunk der Schweiz nun standardmäßig eingeführt hat, leistet hierbei eine gute Hilfestellung.

Die OECD-Leitsätze decken eine große Bandbreite an Themenfeldern ab, sind staatlich gestützt und stellen mit dem Beschwerdemechanismus ein neutrales Dialogforum für Unternehmen, Gewerkschaften und NGOs bereit, wies Kirstine Drew vom gewerkschaftlichen Beratungsausschuss bei der OECD (TUAC) am Beginn ihres Impulses auf die Stärken der OECD-Leitsätze hin und benannte diese als Gründe für das Bekenntnis der Gewerkschaftsbewegung zu den OECD-Leitsätzen. Das Follow-up bezeichnete sie als essentiellen Schritt für einen weiterführenden Dialog, der das Vertrauen von Gewerkschaften und NGOs in die Wirksamkeit des Beschwerdemechanismus maßgeblich stärkt. Trotz dieser Stärken, ist die Bekanntheit der OECD-Leitsätze nach wie vor als gering einzustufen, führte Kirstine Drew aus und appellierte eindringlich an die Nationalen Kontaktstellen und Sozialpartner ihre Kräfte zu bündeln, um die Bekanntheit und Anwendung der OECD-Leitsätze zu erhöhen.

Bild 1:
Alex Kunze, Nationaler Kontaktpunkt der Schweiz © ICEP

 

 

 
Bild2: Kirstine Drew, TUAC © ICEP

 
Bild 3:
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Expert-Talk © ICEP

 

Expertengespräch "Globale Verantwortung managen: Die Empfehlungen der OECD-Leitsätze zur Sorgfaltsprüfung in der Anwendung" am 24. April 2017

Nicht zuletzt durch die Umsetzung der EU-Richtlinie zur nichtfinanziellen Berichterstattung in nationales Recht gewinnt Nachhaltigkeitsmanagement für immer mehr Unternehmen an Bedeutung. In Österreich gilt das mit Dezember 2016 in Kraft getretene Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz für große Kapitalgesellschaften, die Unternehmen von öffentlichem Interesse sind und mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen sowie für deren Tochterunternehmen. Zulieferbetriebe sind oft über Verhaltenskodizes und Einkaufsrichtlinien verpflichtet. Angesichts komplexer, globaler Wertschöpfungsketten stellt das Erheben und Managen von Nachhaltigkeitsrisiken Unternehmen vor große Herausforderungen.

Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen empfehlen Firmen gerade vor dem Hintergrund stärkerer internationaler Verflechtungen eine Sorgfaltsprüfung um Risiken in Bezug auf Umwelt, Mitarbeiter, Konsumenten, Menschenrechte und Korruption zu erheben. Am 24. April 2017 lud der österreichische Nationale Kontaktpunkt (öNKP) gemeinsam mit der Außenwirtschaft Austria der Wirtschaftskammer Österreich zum Expertengespräch „Globale Verantwortung managen", um einen Einblick in die Empfehlungen der OECD-Leitsätze zur Sorgfaltsprüfung zu geben und deren Anwendung anhand unterschiedlicher Beispiele aus der Praxis aufzuzeigen.

Nach der Begrüßung durch Iris Hammerschmid vom österreichischen Nationalen Kontaktpunkt und Michael Zimmermann, Außenwirtschaft-Netzwerk Projekte International der Wirtschaftskammer Österreich, stellte Tyler Gillard, Leiter Sektorprojekte der OECD Responsible Business Conduct-Abteilung, die OECD Empfehlungen zur Sorgfaltsprüfung vor. Beatrix Praeceptor, Chief Procurement Officer der Mondi Group, berichtete im Anschluss über die Umsetzung, aber auch die Herausforderungen bei der Implementierung von Nachhaltigkeitsaspekten in der Lieferkette.

Am Anfang der Sorgfaltsprüfung sollte immer eine systematische Priorisierung nach Produkten und Ländern stehen, betonte Tyler Gillard in seinem Impulsvortrag. Sind die gesetzten Prioritäten nachvollziehbar und gehen Unternehmen Probleme aktiv an, werde man diesen nicht den Vorwurf machen, sie hätten ihre Sorgfaltspflichten nicht erfüllt, wenn Risiken in einem nicht priorisierten Land auftreten sollten. Nachhaltigkeitsrisiken können immer überall auftreten, so Gillard, ein hundertprozentiger Risikoausschluss ist nicht möglich. Es geht darum, einen auf die Unternehmensgröße, Branche und Intensität der Lieferbeziehungen abgestimmten vernünftigen und angemessenen Prozess der Sorgfaltsprüfung aufzusetzen und diesen fortlaufend zu verbessern.

Eine Risikobewertung ist unerlässlich und Teil des gruppenweiten Supplier Relationship Management Konzepts, bestätigte Beatrix Praeceptor im Anschluss von Unternehmensseite. Die Lieferantenbewertung enthält eine Reihe von Nachhaltigkeitskriterien, um das Gesamtrisiko für die Umwelt, ihre Mitarbeiter oder die lokalen Gemeinschaften bestimmen zu können. Lieferanten mit höherem Risiko werden einer eingehenden Überprüfung, einschließlich Audits unterzogen. Mondi bietet aber auch Schulungen an und setzt auf langfristige Partnerschaften mit lokalen Unternehmen, führte Beatrix Praeceptor aus.

Anhand von drei Fallstudien setzten die 30 Teilnehmer des Expertengespräches im Anschluss in Kleingruppen unterschiedliche Aspekte der Sorgfaltsprüfung in den praktischen Unternehmenskontext. Der Fokus lag darauf, konkrete Nachhaltigkeitsrisiken sowie mögliche Verstöße gegen die Themenfelder der OECD-Leitsätze zu benennen, die Vorgehensweise beim Bezug von strategischen und nicht-strategischen Materialen zu diskutieren und mögliche Konsequenzen einer Nichtbeschäftigung mit der Thematik herauszuarbeiten. Bei der Präsentation der Ergebnisse hob Tyler Gillard abschließend nochmals hervor, dass der Ausschluss aus der Lieferkette das letzte Mittel der Wahl sein sollte. Der Austausch zwischen Unternehmen und Zulieferern und das Anbieten von Unterstützung sind wesentlich wirkungsvoller, um Risiken entlang der Lieferkette aufzudecken und langfristige Verbesserungen zu erzielen.

Bild 1: Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Expert-Talks © ICEP

Diskussionsveranstaltung "Reality Check: 40 Jahre OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen am 24. Oktober 2016"

Anlässlich des 40. Jahrestages der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen lud der im Wirtschaftsministerium angesiedelte österreichische Nationale Kontaktpunkt (öNKP) österreichische Unternehmen sowie Interessierte aus Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft zu einem Reality Check in die Industriellenvereinigung.

Eröffnung Christian Friesl und Bernadette Gierlinger 

Die Veranstaltung wurde von Christian Friesl, Bereichsleiter für Bildung und Gesellschaft in der Industriellenvereinigung, und Sektionschefin Bernadette Marianne Gierlinger, Leiterin des Centers für Außenwirtschaftspolitik und Europäische Integration im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, eröffnet.

Nachhaltigkeit für den Wirtschaftsstandort 

Christian Friesl wies auf die steigende Relevanz der OECD-Leitsätze und deren Beitrag zur Schaffung eines weltweiten Level Playing Fields hin. Sektionschefin Bernadette Marianne Gierlinger betonte die Bedeutung von Nachhaltigkeit für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Österreich. Die OECD-Leitsätze sind das umfassendste Instrument zur Förderung einer verantwortungsvoll agierenden, internationalisierten Wirtschaft. Sie sind auch ein wichtiges Instrument zur Förderung der nachhaltigen Entwicklungsziele.

Konfliktfälle konstruktiv lösen 

Unter der Leitung von Barbara Coudenhove-Kalergi, Industriellenvereinigung, diskutierten im Anschluss der Vorsitzende der OECD-Arbeitsgruppe Responsible Business Conduct, Roel Nieuwenkamp, Denise Laufer, Mitglied des Beratungsausschusses der Wirtschaft bei der OECD (BIAC), Kirstine Drew, Mitglied des gewerkschaftlichen Beratungsausschusses für die OECD (TUAC), Manfred Schekulin, Leiter der Abteilung Export und Investitionspolitik im BMWFW, und Vorsitzender des OECD-Investitionskomitees und Hannes Roither vom Salzburger Kranhersteller Palfinger.

Roel Nieuwenkamp hob hervor, dass die Nationalen Kontkatpunkte (NKP) – die von allen 46 Teilnehmerstaaten eingerichtet wurden – das Herz der OECD-Leitsätze bilden. Ihre Stärke sei, Konfliktfälle dritter Parteien mit Unternehmen konstruktiv zu lösen. Dies erläuterte er anhand realer Fälle. „Es geht nicht um gute oder schlechte Unternehmen", stellte Nieuwenkamp klar, „in der Komplexität der Lieferketten sind Fehler unvermeidlich". Auch Denise Laufer führte aus, dass es ein klares Verständnis der Möglichkeiten, aber auch Grenzen von Unternehmen auf das Verhalten Dritter einzuwirken geben müsse. Praxisgerechte Handlungsanleitungen wünschte sich Hannes Roither von Unternehmensseite. Kirstine Drew benannte die Tatsache, dass die NKP nicht überall gleich wirksam arbeiten, als Herausforderung für die Zukunft. Um die Integrität des Systems künftig zu gewährleiten und auf bereits erzielten Erfolgen aufzubauen, müssten die Problemlösungskapazitäten der NKP gestärkt werden, erklärte Manfred Schekulin.

Politisches Commitment und Vertrauen 

Die Wirksamkeit der NKP sei jedoch immer auch eine Frage des politischen Commitments, so Roel Nieuwenkamp abschließend, es brauche den politischen Willen und das Vertrauen, dass alle Akteure zusammenwirken. Die Diskussionsveranstaltung klang mit regen Gesprächen zwischen den Gästen und den internationalen Referenten in informellem Rahmen aus.

Bild 1:
Sektionschefin Bernadette Marianne Gierlinger, Leiterin des Centers für Außenwirtschaftspolitik und Europäische Integration im BMWFW
© ICEP

 

Bild 2:
Sektionschefin Bernadette Marianne Gierlinger begrüßt die Gäste der Diskussionsveranstaltung
© ICEP

Bild 3:
Roel Nieuwenkamp, Vorsitzender der OECD-Arbeitsgruppe Responsible Business Conduct
© ICEP

 

Bild 4: 
Podiumsdiskussion: Barbara Coudenhofe-Kalergi/IV, Denise Laufer/BIAC, Roel Nieuwenkamp/OECD-Experte, Kirstine Drew/TUAC, Manfred Schekulin/BMWFW u. Hannes Roither/Salzburger Kranhersteller Palfiner
© ICEP

Expert-Talk „Sorgfalt im internationalen Geschäft" am 28. Juni 2016

Wie lässt sich CSR-Risikomanagement praktisch aufsetzen und in interne Unternehmensabläufe integrieren?

Welchen Rahmen geben die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen vor?

Welche Herausforderungen stellen sich bei der Implementierung?

Am 28. Juni 2016 lud der österreichische Nationale Kontaktpunkt für die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft CSR-Verantwortliche österreichischer Unternehmen sowie Interessierte aus Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft zum Expert-Talk „Sorgfalt im internationalen Geschäft", um Ansätze und Instrumentarien zur Integration von CSR-Risikomanagement aufzuzeigen und zu diskutieren.

Am Podium: Gastgeberin Dr.Beate Sternig, Leiterin des österreichischen Nationalen Kontaktpunktes, Thamar Zijlstra vom niederländischen Standardisierungsinstitut NEN und Wolfgang Kraus, Senior Associate beim Internationalen Verband der Öl- und Gasindustrie für Umwelt- und Sozialbelange IPIECA.

Beate Sternig wies in ihrer Einleitung auf die zunehmenden internationalen Verflechtungen der österreichischen Wirtschaft und das daraus resultierende steigende Verantwortungsspektrum österreichischer Unternehmen hin. Die Sorgfaltsprüfung, das Durchführen von Due Diligence-Prozessen, um negative Auswirkungen der Geschäftstätigkeit zu ermitteln, zu vermeiden bzw. zu beenden, ist ein Schlüsselbegriff der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen.

Thamar Zijlstra und Wolfgang Kraus gingen in ihren Impulsen auf die praktische Gestaltung von Due Diligence-Prozessen im Unternehmen ein. Thamar Zijlstra stellte mit dem niederländischen Code of Practice NPR 9036:2015 eine prozessorientierte Hilfestellung vor. Der Code of Practice wurde 2015 im Auftrag des Wirtschafts- und Sozialrates der Niederlande SER vom niederländischen Standardisierungsinstitut NEN mit einer Arbeitsgruppe bestehend aus Unternehmen, Interessenvertretungen und Beratern – u.a. Human Rights@Work, dem Arbeitnehmerverband FNV sowie dem Unternehmensnetzwerk CSR Netherlands – entwickelt. Den Kern bildet eine Tabelle, die die Elemente des generischen (Risiko-) Management-Frameworks (ISO HLS) den Stufen des Due Diligence-Prozesses in den UN Guiding Principles und den OECD-Leitsätzen gegenüberstellt und Handlungsanleitungen zur Integration von Due Diligence formuliert.

Wolfgang Kraus beleuchtete das Aufsetzen von CSR-Risikomanagementprozessen für international tätige Unternehmen anhand konkreter Beispiele aus der unternehmerischen Praxis. Ausgangspunkt für die Einführung von Risikomanagementprozessen seien häufig ein drohender oder ein bereits entstandener Schaden. Unternehmen, die ihre Verantwortlichkeiten jedoch bereits im Vorfeld analysieren, priorisieren und risikovorbeugende Maßnahmen treffen, leisten nicht nur aktives Risikomanagement und agieren verantwortlich, sondern sparen Kosten und vermeiden Reputationsverluste, betonte Wolfgang Kraus.

Diskutiert wurden im Anschluss themenbezogene Werkzeuge, auf die Unternehmen in der strategischen Umsetzung zurückgreifen können. Der Human Rights Impact Assessment des Danish Institute for Human Rights sowie Guidance Dokumente der OECD wurden als Beispiele genannt, die Unternehmen Schritt für Schritt Anleitungen bieten. Wesentlich sei es aber, diese mit Expertise vor Ort zu verbinden und lokale Anspruchsgruppen einzubinden, um Risiken erkennen und bewerten zu können, die nicht von vorne herein auf der Hand liegen, führte Wolfgang Kraus abschließend aus.


Bild 1: Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Expert-Talk

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Expertenlunch „Verantwortung in globalen Supply Chains" am 6. April 2016

Vor welchen konkreten Herausforderungen stehen Unternehmen angesichts globaler, immer komplexer werdender Supply Chains? Welche praktische Relevanz haben die OECD-Leitsätze? Und: Was passiert, wenn etwas passiert - wie laufen Vermittlungsverfahren in der Praxis ab? Am 6. April 2016 lud der im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft angesiedelte österreichische Nationale Kontaktpunkt für die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen gemeinsam mit dem Bundesverband für Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich, zum Expertenlunch „Verantwortung in globalen Supply Chains – die Anwendung der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen in der Praxis". Gastgeberin Beate Sternig, österreichischer Nationaler Kontaktpunkt, Liz Napier, Nationaler Kontaktpunkt Großbritannien und Silke Sorger, Head of Corporate Purchasing Infineon Technologies Austria AG, diskutierten diese Fragen anhand konkreter Fallbeispiele und Erfahrungen mit mehr als 40 Einkauf- und CSR-Verantwortlichen sowie Interessierten aus Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft.  

Beate Sternig betonte in ihrer Einleitung die Bedeutung der OECD-Leitsätze als gemeinsamer Rahmen für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln im globalen Wettbewerb. Die Nationalen Kontaktpunkte sind Dialog- und Schlichtungsplattform und haben die Aufgabe, die Unternehmen bei der Anwendung der OECD-Leitsätze zu unterstützen. Anhand von drei konkreten Fällen vor dem Nationalen Kontaktpunkt Großbritannien schilderte Liz Napier, wie Mediationsverfahren in der Praxis ablaufen. Oberstes Ziel sei es hier, die Parteien in der Erarbeitung einer für alle Beteiligten tragfähigen Lösung zu unterstützen. Transparenz und gegenseitiges Vertrauen nannte Napier als die wichtigsten Voraussetzungen für eine Einigung. Lassen sich die Parteien auf ein Mediationsverfahren ein, so Napier abschließend, könne dieses positiver Katalysator für Veränderungen sein. Im Anschluss schilderte Silke Sorger, wie Infineon Nachhaltigkeitskriterien in die Lieferkette integriert. Diese sind Bestandteil der Einkaufsbedingungen und beruhen auf international anerkannten Richtlinien, wie dem Global Compact der Vereinten Nationen und den Grundprinzipien der International Labour Organisation. Lieferanten sind zudem verpflichtet, einen Fragebogen auszufüllen, auf dessen Basis weitere Schritte, wie Verbesserungsprozesse oder Audits, festgelegt werden. Angeregt diskutiert wurde die Frage, ob Vereinbarungen am Papier in der Realität halten und wie sich dies gewährleisten lasse. Das Abfragen der Kriterien bilde eine Eintrittshürde für Lieferanten in der Zusammenarbeit mit dem Unternehmen und sei eine Motivation, Nachhaltigkeitskriterien zu entsprechen. Internationale Richtlinien wie die OECD-Leitsätze, so waren sich die Diskutanten einig, seien eine Grundvoraussetzung für ein gemeinsames Verständnis von verantwortungsvollem unternehmerischem Handeln. 


Bild 1: Beate Sternig, Leiterin des österreichischen Nationalen Kontaktpunktes
Bild 2: Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Expertenlunch
Foto: © Mihai M. Mitrea

Workshop "Creating Shared Knowledge on Mediation and Crucial Processes for National Contact Points" am 3. und 4. März 2015

Auf Einladung des BMWFW waren 22 Vertreter der Nationalen Kontaktpunkte (NKP) der OECD beim zweitägigen Workshop zu Gast. Im Vordergrund stand dabei ein umfassender Informations- und Wissensaustausch über die tägliche Arbeit der Nationalen Kontaktpunkte. Durch die Diskussion in Kleingruppen war es den Vertretern der Nationalen Kontaktpunkte möglich, die einzelnen Prozessschritte ihrer Tätigkeit als Dialog- und Schlichtungsplattform bei der Behandlung so genannter "Specific Instances" eingehend zu beleuchten, zu vergleichen und sich über die Herausforderungen im Rahmen der Prozessgestaltung, aber auch über "Best Practices" auszutauschen. Die Teilnehmer setzten sich aus 17 Nationen, darunter Kolumbien, Marokko, Norwegen und Großbritannien, zusammen. Der Workshop war der zweite seiner Art, der vom BMWFW aufgrund breiter Würdigung der ersten Veranstaltung in der OECD im Jahr 2012 initiiert wurde. Auch das Feedback der Teilnehmer der zweiten Initiative war überaus positiv, die Ergebnisse und "lessons learned" sehr wertvoll für die tägliche Arbeit der Nationalen Kontaktpunkte und der Peer-to-Peer-Austausch für alle sehr bereichernd.

 
Bild 1 und 2: Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops

Informationsveranstaltung "Pathway to Mutual Benefits: The OECD Guidelines for Multinationals" am 2. März 2015​

Am 2. März 2015 lud das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) gemeinsam mit der Industriellenvereinigung (IV) zur abendlichen Informations- und Netzwerkveranstaltung des im BMWFW, Center 2 - Außenwirtschaftspolitik und Europäische Integration, angesiedelten österreichischen Nationalen Kontaktpunktes "Pathway to Mutual Benefits". Mehr als 70 CSR-Verantwortliche und Interessierte aus Wirtschaft, Politik und zivilgesellschaftlichen Organisationen folgten der Einladung, um über die wichtigsten Neuerungen der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen und der Rolle der Nationalen Kontaktpunkte (NKP) mehr zu erfahren. Internationale Experten, wie Roel Nieuwenkamp, Vorsitzender der OECD Working Party on Responsible Business Conduct, David Plumb, Mediator und Trainer des renommierten Consensus Building Institute, Danish Chopra, Vertreter des Nationalen Kontaktpunktes von Großbritannien und Sonja Böhme, Head of Corporate Sustainability bei der OMV diskutierten über den Inhalt der OECD-Leitsätze sowie deren Bedeutung für die Anwendung in der täglichen Praxis. Besonders eingehend beleuchtet wurde neben der Aufgabe der Nationalen Kontaktpunkte zur Bekanntmachung der OECD-Leitsätze vor allem ihre Funktion als Dialog- und Schlichtungsplattform bei Fragen und Unklarheiten im Zusammenhang mit der Anwendung dieser Leitsätze und der den OECD-Leitsätzen immanente Streitbeilegungsmechanismus. Seinen stimmungsvollen Ausklang fand das Event beim regen Austausch und Vernetzen zwischen Referenten und Gästen.

 
Bild 1 und 2: Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Informationsveranstaltung

Letzte Änderung am: 31.07.2017 11:16