Energie & Bergbau

Die Österreichische Rohstoffstrategie

Mineralische Rohstoffe sind die Grundlage der industriellen Produktion. Daher ist eine ausreichende Versorgung der heimischen Unternehmen mit mineralischen Roh- und Grundstoffen eine unverzichtbare Grundlage für eine prosperierende Wirtschaft. Insbesondere unentbehrliche metallische Hochtechnologie-Rohstoffe betreffend ist Österreich in hohem Maße importabhängig. Das Aufkommen an Baurohstoffen, die gemeinsam mit den Industriemineralen mit einem Verbrauch von etwa 110 Mio t pro Jahr jene Rohstoffgruppen mit dem höchsten Bedarf in Österreich darstellen, wird aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und Überlegungen den Umweltschutz betreffend nahezu zur Gänze aus heimischen Lagerstätten aufgebracht werden.

Mineralische Rohstoffe sind endliche Ressourcen und obwohl die geologische Verfügbarkeit zwar derzeit als unproblematisch zu betrachten ist, sind dennoch Verknappungen aufgrund handels- und geopolitischer Faktoren zu verzeichnen. Überdies führen konkurrierende Raumnutzungssituationen, wie beispielsweise Baulandnutzung oder Naturschutzgebiete versus Rohstoffgewinnung zu Einschränkungen der Zugänglichkeit zu Lagerstätten, insbesondere Baurohstoffe betreffend. Dies hat zur Folge, dass der Zugang zu Rohstoffen zunehmend zum Standort- und Wettbewerbsfaktor auch für Österreich wird. 

Das BMWFW hat als Reaktion auf diese Herausforderungen eine Rohstoffstrategie entwickelt, die in Analogie zur EU-Rohstoffstrategie auf drei Säulen ruht: 

  • 1. Säule: Sicherung des langfristigen Zugangs zu heimischen Lagerstätten durch raumordnerische Maßnahmen
  • 2. Säule: Sicherung eines fairen und diskriminierungsfreien Zugangs zu mineralischen Rohstoffen auf den Weltmärkten
  • 3. Säule: Schonung von primären Ressourcen und effizienter Umgang mit Rohstoffen durch Steigerung der Ressourceneffizienz und Verbesserung des Recyclings

Die Rohstoffstrategie ist als unverzichtbares Instrumentarium für die erfolgreiche Umsetzung einer nationalen Rohstoffpolitik zu verstehen. Es ist das erklärte Ziel, die Versorgung der Österreichischen Wirtschaft mit mineralischen Roh- und Grundstoffen zu sichern bzw. zu verbessern.

Säule 1 

Eine Sicherung des langfristigen Zugangs zu heimischen Lagerstätten wird in Abstimmung mit den Bundesländern durch raumordnerische Maßnahmen in kosequenter Umsetzung des Österreichischen Rohstoffplanes, der von der Europäischen Kommission als Best Practice Beispiel anerkannt ist, weiter verfolgt. 

Die Arbeiten des BMWFW zum Rohstoffplan wurden 2010 abgeschlossen und die Ergebnisse den Bundesländern zur Umsetzung übermittelt. Eine Implementierung des Rohstoffplanes in raumordnungsrechtliche Instrumentarien ist in Vorarlberg (Vorarlberger Raumordnungsgesetz), Tirol (Gesteinsabbaukonzept) und Burgenland (Landesentwicklungsplan 2011) bereits erfolgt. Mit anderen Bundesländern befindet sich das BMWFW im laufenden Abstimmungsprozess.

Säule 2

Durch Sondierung von Rohstoffpartnerschaften sowie Unterstützung der Bemühungen der Europäischen Kommission und internationaler Organisationen auf handelspolitischer Ebene soll österreichischen Unternehmen ein fairer und diskriminierungsfreier Zugang zu mineralischen Rohstoffen auf den Weltmärkten gesichert werden. Derzeit befindet sich eine Rohstoffpartnerschaft mit der Mongolei in Ausarbeitung.

Säule 3

Die Schonung von primären Ressourcen und der effiziente Umgang mit Rohstoffen durch Steigerung der Ressourceneffizienz und Verbesserung des Recyclings ist Thema der Österreichischen Rohstoffallianz und wird auch im Ressourceneffizienz Aktionsplan des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft behandelt. 

 

Horizontale Maßnahmen

Als ein Instrument des BMWFW zur langfristigen Sicherung der Rohstoffversorgung wurde im Herbst 2012 die "Österreichische Rohstoffallianz" gegründet. 

Die Rohstoffallianz ist als Plattform von "Stakeholdern" unter Federführung des Bundesministers für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft zur Maßnahmenfindung einer nachhaltigen Sicherung der Rohstoffversorgung konzipiert.

Das Ziel der Bemühungen ist die Reduktion der Importabhängigkeit und Erhöhung der Versorgungssicherheit an für die Österreichische Wirtschaft wichtigen Rohstoffen. Zur Erreichung des Zieles soll ein breiter Dialog zwischen öffentlicher Verwaltung, Industrie, Wissenschaft und Interessensvertretungen auf der Ebene der Österreichischen Rohstoffallianz beitragen.

Zur Reduzierung dieser Importabhängigkeit und Erhöhung der Versorgungssicherheit wurde ein erster Schwerpunkt auf die Strategiefindung zur Aufkommenssteigerung von für die österreichische Wirtschaft "kritischen" Rohstoffen aus Alt- und Abfallstoffen gelegt.

Die Organisationsstruktur ist in zwei Ebenen gegliedert: 

  1. Lenkungsgruppe (Lenkung und Verabschiedung von Handlungsempfehlungen zur Zielerreichung),
  2. Technische Arbeitsgruppe (Fachdialog und Ausarbeitung der Handlungsempfehlungen) 

Die derzeitigen Teilnehmer sind Vertreter der: 

  • Rohstoffproduzierenden und rohstoffverbrauchenden Industrie (Primärrohstoff- und Sekundärrohstoffbranche)
  • Interessensvertretungen: Industriellenvereinigung, Wirtschaftskammer
  • Wissenschaft
  • Wissenschaftsförderung
  • Öffentliche Verwaltung (BMWFW, BMLFUW, BMWF, BMVIT)

In bisher 3 Gesprächsrunden wurde ein Paket an Handlungsempfehlungen zur Zielerreichung geschnürt. Diese Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen -  Forschung & Entwicklung sowie den rechtlichen Ordnungsrahmen betreffend, sollen in weiterer Folge der Umsetzung zugeführt werden.

Durch das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Telekommunikation erfolgte u.a. auf Basis der Diskussionen in der Plattform Rohstoffallianz eine Implementierung von rohstoffrelevanten Themen in das Forschungsprogramm "Produktion der Zukunft". Derzeit wird eine Integration von Rohstoffforschungsthemen in die FTI-Strategie des Bundes vorbereitet.

Die Österreichische Rohstoffallianz versteht sich überdies als Spiegelgremium zur Europäischen Innovationspartnerschaft für Rohstoffe.

Weiterführende Informationen, EU-Ebene

Europäische Kommission Unternehmen und Industrie

 

 

 

 

Letzte Änderung am: 23.09.2015 14:28